BIPOCs Connecting

STRATEGIEN DER SOLIDARITÄT – WAS ICH BISHER HERAUSGEFUNDEN HABE (betreffend BIPOCs Connecting)

Strategien der Solidarität – was ich bisher herausgefunden habe ist eine Blogreihe, in der ich meine (praktischen) Strategien der Inklusion im professionellen Tanzkontext mit euch teile. Diese Strategien sind für mich wichtige Werkzeuge, um einen kolonialistischen (kapitalistischen, rassistischen, ableistischen, transphoben, homophoben, sexistischen usw.) Habitus zu demontieren und anschließend andere Modelle zu entwerfen und aufzubauen. Außerdem teile ich hier einige Gedanken über institutionelle sowie meine eigenen internalisierten Formen der Unterdrückung. Ich beziehe mich dabei vor allem auf die unabhängige Tanz- und Performance-Szene in Mitteleuropa. Auch wenn du mit dieser Szene nichts zu tun hast, können dich meine Beiträge hoffentlich in deinen eigenen Lernprozessen unterstützen.

Reflexion

Dieses Jahr fragte mich eine Schwarze Choreografin aus Berlin für eine Interviewreihe mit Schwarzen Tanzkünstler*innen in Deutschland an. Da ich gerade keine Zeit hatte, empfahl ich sechs andere Schwarze Tanzkünstler*innen. Fünf davon leben in Berlin. Obwohl auch die Choreografin seit 15 Jahren in Berlin lebt, hatte sie noch nie von den fünf Personen gehört. Als ich das hörte, war ich zugleich schockiert und betrübt. Wir als BIPOC-Tanzkünstler*innen sollten Bescheid wissen, wer sonst noch in unserem Feld aktiv ist. Wir sollten wissen, wer alles mitmischt, wer sich durch Tanz ausdrückt und sich dabei bemüht, das Beste zu geben. Vielleicht hat das Ganze mit Freundschaft, Repräsentation, Stressabbau, Fürsorge, Überleben, Aufblühen oder Ermutigung zu tun. Vielleicht geht es darum, dich zu motivieren, morgens aus dem Bett zu steigen und deinen Körper – oder deine Haut – in aller Öffentlichkeit zu zeigen. Und womit es auch zusammenhängen kann, ist, sich miteinander zu verbinden.

Verbindungen zu knüpfen – die nicht mikroskopisch oder mit ethnografischen / kuratorischen / extraktivistischen / kapitalistischen Messgeräten erfassbar sind – darum geht es hier. Lasst uns diese Art von Räumen füreinander schaffen. Empfehlt andere Leute für Jobs. Sagt den Auftritt ab, wenn ihr die einzige BIPOC in einem Panel oder in einem Team seid, obwohl ihr längst den Wunsch geäußert habt, nicht als einzige BIPOC aufzutreten. Bring deine Freund*in mit Mbakumua und Julia in Kontakt. Das alles … und begegnet einander. Sorgen wir dafür, dass wir innerhalb von sieben Sekunden die Namen von 20 BIPOC-Tanzkünstler*innen in Deutschland nennen können und dass wir ihre Telefonnummern, Mail-Adressen und Instagram-Accounts parat haben. Sorgen wir dafür, dass die Tanzwelt voller Werke von BIPOC und anderen marginalisierten Künstler*innen ist. Lasst uns miteinander verbinden.

Verbindungen

Ich habe vier BIPOC-Tanzkünstler*innen aus Deutschland eingeladen, mit einer anderen BIPOC-Tanzkünstler*in ihrer Wahl ein Online-Gespräch zu führen. Ich selbst habe auch mitgemacht. Die Vorgabe war, 30 Minuten miteinander zu verbringen – im Wissen darüber, dass kein weißer Blick über dem Gespräch schwebt und dass beide Beteiligten Tanzkünstler*innen sind, die körperbasiert arbeiten. Mehr nicht, nur ein lockeres Treffen. Wenn sich die Beteiligten letztendlich über ihre jeweilige Lieblingspizza unterhalten, dann ist das auch Teil des Gesprächs.

Die Aufnahmen der Online-Gespräche wurden anschließend von der Schwarzen Filmemacherin Mona Okulla Obua künstlerisch bearbeitet – mit Mona zusammenzuarbeiten war ein absolutes Vergnügen! Jedes Video hat eine Audiobeschreibung in Englisch, Untertitel in Englisch und Deutsch und ist in deutsche Gebärdensprache übersetzt. Mona und ich experimentierten mit einer inklusiven Ästhetik, bei der die Gebärdenübersetzung von Anfang an Teil der Videosprache war und nicht bloß später hinzugefügt wurde. Davon ausgehend entwickelten wir dann das visuelle und künstlerische Konzept.

Nach Abschluss dieses Projekts war ich glücklich darüber, mehr BIPOC-Tanzkünstler*innen und auch Mona kennengelernt zu haben. Seitdem strahlt das Feuer in mir noch leuchtender – ich hoffe, auch euer Feuer leuchtet strahlend hell.





https://vimeo.com/644081562

Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm #TakePart des Fonds Darstellende Künste, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird.

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