Wissensgeflechte

STRATEGIEN DER SOLIDARITÄT – WAS ICH BISHER HERAUSGEFUNDEN HABE (betreffend Wissensgeflechte)

Strategien der Solidarität – was ich bisher herausgefunden habe ist eine Blogreihe, in der ich meine (praktischen) Strategien der Inklusion im professionellen Tanzkontext mit euch teile. Diese Strategien sind für mich wichtige Werkzeuge, um einen kolonialistischen (kapitalistischen, rassistischen, ableistischen, transphoben, homophoben, sexistischen usw.) Habitus zu demontieren und anschließend andere Modelle zu entwerfen und aufzubauen. Außerdem teile ich hier einige Gedanken über institutionelle sowie meine eigenen internalisierten Formen der Unterdrückung. Ich beziehe mich dabei vor allem auf die unabhängige Tanz- und Performance-Szene in Mitteleuropa. Auch wenn du mit dieser Szene nichts zu tun hast, können dich meine Beiträge hoffentlich in deinen eigenen Lernprozessen unterstützen.

Reflexion

Vielleicht lässt sich der Wissenstransfer zwischen zwei Menschen als eine Art Pilzmycel begreifen und darstellen: Zwei in sich gebündelte Wissensknotenpunkte bilden zunächst einzelne Fäden. Wenn das Gespräch in Lauf kommt, verzweigen sie sich schnell und kontinuierlich. Sie entwickeln sich zu einem Geflecht aus Gedanken, Wünschen, Interessen und Erinnerungen, die miteinander verbunden sind, aber auch Lücken und Sprünge aufweisen.

Welche verschachtelten, vernetzten Verbindungen entfalten sich durch den Besuch einer Tanzperformance und zu welcher Art von Wissenstransfer kommt es dabei? Oder einfacher gefragt: Was können wir durch Tanz lernen?

Bei der Frage „Was können wir durch Tanz lernen?“ denke ich sofort darüber nach, welche Praktiken der Mainstream-Kultur den Körper als notwendig begreifen und nicht bloß als Gefäß für das Gehirn. Ich denke an die häufige Erfahrung, von Ärzt*innen belächelt zu werden, wenn ich mein Wissen darüber zum Ausdruck bringe, was in meinen Körper vorgeht. Ich denke an körperbasierte Therapien, für die Versicherungen keine Kosten übernehmen wollen. Ich denke daran, dass unsere Kommunikation zu sieben Prozent verbal und zu 55 Prozent über Körpersprache erfolgt. Ich denke an Momente, in denen ich stolpere und plötzlich ein Fuß nach vorne zieht und mich vor dem Hinfallen bewahrt – einen Sekundenbruchteil, bevor mein Gesicht am Boden liegt. Ich denke an den Körper und wie er kommuniziert, durch Schmerz, Lust, Gänsehaut, Errötung, Blässe und so weiter. Ich denke an schwarze, gegenderte Körper, die als kulturelle Symbole von Gefahr, Sex, Wohltätigkeit, Hipness und ähnlichem vermarket werden.

Statt über die obengenannte Frage zum Wissenstransfer durch Tanz alleine nachzudenken, habe ich sie mit fünf Leuten diskutiert, die alle jeweils eines meiner Stück besucht hatten. Ich habe sie zu Gesprächen eingeladen, bei denen die Frage „Was können wir durch Tanz lernen?“ der Ausgangspunkt war. Meine Gesprächspartner*innen waren:

Elisa Ricci – Kulturproduzentin, Aktivistin, Mutter und Dramaturgin, derzeit Promovierende an der Freien Universität Berlin;

Denise Van De Cruze – Aktivistin, Mutter und Betreiberin von Villa Vida, einem queeren Community-Café in Wien;

Mariama Diagne – Tanzwissenschaftlerin, Mutter und Professorin Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien im Bereich Gender Studies;

Melody Howse – Forscherin und Promovierende in Anthropologie an der Universität Leipzig und Mutter; und

Paula Chaves Bonilla – Community-Organizer*in, Künstler*in und Aktivist*in.

Sich Verzweigendes Wissen

Die Gespräche mit den fünf Eingeladenen fanden über Zoom statt und wurden von Elliot Blue künstlerisch bearbeitet – nun bin ich offiziell ein Fangirl von Elliot! Jedes Video hat eine Audiobeschreibung in Englisch, Untertitel in Englisch und Deutsch und eine Übersetzung in deutsche Gebärdensprache. Elliot und ich experimentierten mit einer inklusiven Ästhetik, bei der die Gebärdenübersetzung von Anfang an Teil der Videosprache war und nicht bloß später hinzugefügt wurde. Davon ausgehend entwickelten wir das visuelle und künstlerische Konzept.





Dieses Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm #TakePart des Fonds Darstellende Künste, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird.

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